Projekte

Ausstellung / Exhibition: Fotografische Positionen einer Umbruchsgeneration

Willy-Brandt-Haus, Berlin, 3. 10. bis 7. 11. 2015, und Stadtgalerie Kiel, 11. 3. bis 8. 5. 2016. Mit Fotografien und Videoarbeiten von Sven Gatter, Anne Heinlein, Margret Hoppe, Marc Marquardt, Andreas Mühe, Julian Röder, Ina Schoenenburg, Luise Schröder, Paula Winkler und Filmporträts von Dörte Grimm und Nadja Smith.

(English version below)

Idee: Sven Gatter und Verein Perspektive hoch 3 e.V. / realisiert in Kooperation mit dem Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Berlin, und der Stadtgalerie Kiel, gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Projektleitung: Nadja Smith, Kuratorin: Sabine Weier, Projektmanagement: Elisabeth Friedrich.

Zwar sei der Postkommunismus aus dem Untergang des Kommunismus und damit aus einem politischen Ereignis hervorgegangen, sagt Kulturkritiker Boris Buden, um ein politisches Phänomen handle es sich dennoch nicht, sondern um ein kulturelles, um einen kulturell konstruierten Ort. (1) Diesen Ort gestalten Künstlerinnen und Künstler der Umbruchsgeneration wesentlich mit. Sie wurden um 1980 herum in der DDR geboren, erlebten als Kinder die letzten Jahre des Kalten Krieges, dann die politische Wende und schließlich den andauernden Transformationsprozess im postkommunistischen Europa. Ihre Jugend war vom Systemwandel und vom Verlust von Gewissheiten geprägt, von Aufbruch und Neuverortung, mitunter von politisierten, konfliktreichen familiären Beziehungen.

Die Ausstellung zeigt fotografische Positionen sowie Videoarbeiten von neun Künstler*innen dieser Generation, um die sich in den vergangenen Jahren unter Begriffen wie „Dritte Generation Ostdeutschland“ oder „Wendekinder“ eine Diskussion entfacht hat, und gibt Einblicke in einige Themen, die sie bewegen, auch weil sie in zwei Systemen aufgewachsen sind. Dörte Grimm und Nadja Smith haben die Künstler*innen filmisch porträtiert und stellen so Bezüge zwischen ihren Biografien und Werken her. So ermöglicht die Ausstellung eine von vielen möglichen Lesarten der Arbeiten.

Mit ihrer Generation teilen die Künstler*innen einen neugierigen und kritischen Blick auf das, was vor 1989 war, aber auch auf das, was heute ist. 2014 beschäftigte sich schon das Projekt „The Forgotton Pioneer Movement“ in einer Ausstellung, Performances und öffentlichen Gesprächen mit künstlerischen Positionen dieser Generation. Zum Ausgangspunkt machten die Kuratorinnen Ulrike Gerhardt und Susanne Husse die Figur des Pioniers, ein Sinnbild der gemeinsamen generationellen Erfahrung verschiedener osteuropäischer Kulturen. (2) Sie steht aber auch für eine Nostalgie, die in der Kunst kritisch rezipiert und mit neuen Perspektiven konfrontiert wird.

Geschichte und der gesellschaftliche Umgang damit sind wichtige Sujets der aktuellen Kunst. Dieter Roelstraete spricht von einem „historiographic turn“, zu dem der Wunsch nach Aufarbeitung der sozialistischen Vergangenheit Zentral- und Osteuropas und der damit verbundenen Traumata wesentlich beigetragen habe. (3) Wegen seines dokumentarischen Charakters eignet sich das Medium Fotografie besonders für die Auseinandersetzung mit in diesem Kontext relevanten Themen, wie Erinnerung, Identität oder sozialen Realitäten.

Wenn sich Künstler*innen mit Geschichte befassen, arbeiten sie zum Beispiel mit in Archiven gefundenen Bilddokumenten, wie Luise Schröder. Sie interpretieren historische Ereignisse und Ästhetiken durch Reinszenierungen neu, wie Andreas Mühe, oder durch investigativ-dokumentarische Projekte, wie Anne Heinlein. Und sie setzen sich mit architektonischen Erinnerungsträgern auseinander, wie Margret Hoppe und Marc Marquardt. Auch die postkommunistische Gegenwart machen Künstler*innen zum Thema ihrer Werke. Mit Identität und demografischem Wandel in ostdeutschen Regionen beschäftigt sich Sven Gatter. Um Fragen der Identität in gesellschaftspolitischen und familiären Umfeldern kreisen auch die Positionen von Paula Winkler und Ina Schoenenburg. Und Julian Röder untersucht Aspekte von Macht und Ökonomie in einer globalisierten Welt.

Mit ihren Positionen produzieren die Künstler*innen der Umbruchsgeneration neue Formen des gesellschaftlichen und kulturellen Wissens. Sie schaffen Alternativen für eine Erinnerungskultur jenseits von Nationalfeiertagen oder starren Monumenten. So liefern sie wichtige Perspektiven für das kollektive Gedächtnis von morgen, Modi der Aufarbeitung und – ihr vielleicht wichtigster gesellschaftlicher Beitrag – kritische Bilder von Deutschland und Europa.

(Sabine Weier)

1 Boris Buden: In den Schuhen des Kommunismus. Zur Kritik des postkommunistischen Diskurses, S. 357, in Boris Groys u.a. (ed.), Zurück aus der Zukunft, Suhrkamp, Frankfurt 2005

2 The Forgotten Pioneer Movement – Guidebook, Ausstellungskatalog, District Berlin, Textem Verlag, Hamburg 2014

3 Dieter Roelstraete: The Way of the Shovel: On the Archeological Imaginary in Art, e-flux Journal #4, 2009

 

Beitrag im Arte-Journal

 

ENGLISH

October 2015 marked the twenty-fifth anniversary of German Reunification – a process which continues into the present day on diverse levels. The initiative Perspektive hoch 3 (e.V.) staged an exhibition on the occasion of this anniversary in cooperation with the Freundeskreis Willy-Brandt-Haus and the Stadtgalerie Kiel. It showcased photography and video works by Sven Gatter, Anne Heinlein, Margret Hoppe, Marc Marquardt, Andreas Mühe, Julian Röder, Ina Schoenenburg, Luise Schröder, and Paula Winkler. All of them were born in the German Democratic Republic in the 1970s and 1980s, a generation that has stirred debate in recent years as „Dritte Generation Ostdeutschland“ (Third Generation East Germany) or „Wendekinder“ (Children of the Change).

„The Third Perspective“ explores how the experience of this historical transformation impacts the lives and artistic practice of the photographers in post-Reunification Germany. Which subjects lie at the focus of their work? How do they treat issues of origin, identity and globalization? What spaces of contemplation do they create through the medium of photography? Video portraits of the artists by Dörte Grimm and Nadja Smith accompany the exhibition and highlight the role of key events in the artists‘ biographies.

Trailer und Installationsansichten / Trailer and installation views: Nadja Smith

Publikation: C/O Berlin Talents 32

„Titel Kunst, Freiheit und Lebensfreude“, mit Arbeiten von Emanuel Mathias und Texten von Sabine Weier, C/O Berlin, 18. April bis 28. Juni 2015, Publikation erschienen im Kehrerverlag

(English version below)

Stolze Aktivisten, erfüllte Jahrespläne, Urlaubsgrüße aus der DDR, illustre Betriebskollektivvertragsfeiern, Vietnam-Sammlungen und mosambiquanische Freunde – Brigadebücher geben einen einzigartigen Einblick in den Alltag arbeitender Menschen im real existierenden Sozialismus. Diese zeitgeschichtlichen Dokumente zeigen in Wort und Bild die Entwicklung von Arbeitskollektiven zwischen staatlich verordneter Inszenierung und privat-profanen Ereignissen. Emanuel Mathias hat aus 85 Brigadebüchern, die die Arbeiter der Leipziger Baumwollspinnerei zwischen 1961 und 1989 erstellt haben, rund 50 Seiten ausgewählt, bearbeitet und neu zusammengestellt. Anhand dieser speziellen Form geschichtlicher Aufarbeitung hinterfragt der Künstler die Wirkungsweise historischer Dokumente und Archive in Hinblick auf Identitätsbildung von Individuen und Gesellschaft. Wie funktioniert Erinnerung? Wie wird Vergangenheit konstruiert? Wie entsteht das kollektive Gedächtnis? Ausstellung und Buch mit Arbeiten von Emanuel Mathias und Texten von Sabine Weier.

hrsg. v. C/O Berlin, 2015
Autoren: Ann-Christin Bertrand, Sabine Weier
Künstler: Emanuel Mathias, Sabine Weier

Gestaltet von Naroska Design
Schweizer Broschur, 17 x 23 cm
84 Seiten
31 Farb- und S/W-Abb.
Deutsch/Englisch
ISBN 978-3-86828-534-5
Euro 24,90

ENGLISH

C/O Berlin presents from 18 April to 28 June 2015 the series Talents with the title „Kunst, Freiheit und Lebensfreude“ with pictures by Emanuel Mathias and texts by Sabine Weier. Publication: Kehrerverlag.

Proud activists, completed annual targets, vacation greetings from the GDR, illustrious workers’ collective celebrations—Socialist workers’ brigade journals give a unique insight into everyday life of normal working people in “real existing Socialism.” Emanuel Mathias selected around 50 pages from 85 Socialist workers’ brigade journals kept by workers at the Leipzig cotton mill between 1961 and 1989, then modified and recombined them anew. Using this special form of historic reappraisal, the artist questions how archival and historical documents function in defining individual and social identities. He appropriates this historic material and compiles a kind of space for memory in which the viewer is confronted with set pieces from the GDR past. Emanuel Mathias has developed a new way of engaging with historic material that counters the process of repression and forgetting. His work itself assumes the form of an archive and employs an archival aesthetic to study how memory is constructed: namely, in reliance on archives and the documents they contain. The viewer projects her own ideas onto these artifacts and invests them with emotional meaning. The reconstruction of the past thus presents itself as a toolbox for the viewer’s own imagination. Exhibition and publication with works by Emanuel Mathias and texts by Sabine Weier.

Ausstellung / Exhibition: Show Me How

KN space for art in context is pleased to present new works by Katie Armstrong (US) and Sharon Peretz (IL).

SHOW ME HOW — KN Exhibition trailer from Katie Armstrong on Vimeo.

Show Me How explores and places in conversation recent works of Berlin-based artists Katie Armstrong and Sharon Peretz. The exhibition will be on view from 22 February – 3 April // Friday + Saturday 2pm-6pm and by appointment. Skalitzer Straße 68, 10997 Berlin.

Review in The 405

Please join us April 3rd at KN for the finissage with special events:

In the framework of the exhibition, KN launches its Street Musician Series with music by Franz Bargmann. Peretz’s video instillation for „Show Me How“ captures Bargmann as he transforms a U-Bahn station into a venue for his music. A former member of the „Krautrock Band Camera,“ Bargmann’s minimalist solo work for guitar is hypnotically beautiful. See him live at KN as he plays throughout the evening. Katie Armstrong gives a final performance alongside her most recent, haunting animation. Don’t miss your last chance to hear Armstrong build a live landscape of strings and vocals to accompany her delicate images in motion.

Katie Armstrong (b. 1988) uses performance, homemade audio recordings, and traditional hand-drawn animation to explore the interaction between popular culture and personal experience, creating a dialogue between internal and external worlds. Originally from the USA, she currently lives and works in Berlin.

Sharon Peretz (b. 1981) translates inner shapes into installations and paintings, working according to her intuitive frequency. She uses elemental materials such as wood, cement, clay, water, oil, and found objects. Rejecting normative perceptions, her video works are field recordings made to capture everyday unspoken things. Originally from Israel, she currently lives and works in Berlin.

curated by Jana Nowack and Sabine Weier


Exhibition View, Jana Nowack


Exhibition View, Marius Troy


Exhibition View, Marius Troy


Katie Armstrong performing, Marius Troy

Artist Talk: Utopias Gone Awry – Photographing Architecture in Decay

November 7, 2014 / 7 pm, Presentation & Artist Talk at the Z/KU Zentrum für Kunst und Urbanistik / 6. Europäischer Monat der Fotografie

(deutsche Übersetzung weiter unten)

Derelict urban structures and buildings attract many photographers. Their visual essays become particularly striking, when their architectural subjects attest to historical changes in society, bearing witness to utopias gone awry and collective memory eroding with their decay. In Germany, photographer Margret Hoppe dedicated many years to photographing buildings in the former German Democratic Republic, compiling an Archive of Abandoned Buildings. In another obsessive archival project, Polish photographer Michał Szlaga documented the vanishing of the Gdańsk Shipyard, once the cradle of the Solidarność labor union and a significant site for the commemoration of the rise of the Eastern European democratic movement. At the ZK/U Centre for Art and Urbanistics, a venue located in a former railway depot, works from both artists will be presented. Jacek Dominiczak, an architect and theorist working in the borderland of art and architecture, as well as editor of the album Rethinking The City. Perspectives from Gdańsk with photographs by Michał Szlaga, will join the artists to discuss how photography rethinks urban space, architecture and their social and political implications. What dynamics arise between architecture in decay as traces of past utopias and contemporary urban developments? How do the aesthetical and narrative strategies of photographing such structures inform the debate around issues related to architecture, politics and collective memory?

on the occasion of the exhibition Stocznia/Shipyard with photographs by Michał Szlaga (Polish Institute Berlin)

the talk will be held in English

ZK/U Centre for Art and Urbanistics, Siemensstraße 27, 10551 Berlin, Free admission

(Verfallende Stadtstrukturen ziehen viele Fotografen an. Ihre visuellen Essays sind besonders bemerkenswert, wenn die Sujets von historischen gesellschaftlichen Veränderungen zeugen. Mit der Architektur verfallen Utopien von einst sowie die kollektive Erinnerung daran. In Deutschland fotografierte Margret Hoppe viele Jahre lang Gebäude in der ehemaligen DDR und schuf ein „Archiv verlassener Bauten“. In einem weiteren obsessiven Archivprojekt dokumentierte der polnische Fotograf Michał Szlaga das Verschwinden der Danziger Werft, einem bedeutenden Ort für die Erinnerung an die Umbrüche in Osteuropa. Im ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, einem Veranstaltungsort in einem ehemaligen Güterbahnhof, präsentieren die Künstler ihre Arbeiten. Anschließend spricht der Architekturtheoretiker Jacek Dominiczak mit ihnen darüber, wie der urbane Raum, Architektur und damit verknüpfte soziale und politische Implikationen durch das Medium Fotografie neu gedacht werden. Welche Dynamiken entstehen zwischen verfallener Architektur als Spur vergangener Utopien und aktueller Stadtentwicklung? Wie beeinflussen die ästhetischen und narrativen Strategien der Künstler die Diskussion über Architektur, Politik und Kollektives Gedächtnis?)

Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung Stocznia/Shipyard mit Fotografien von Michał Szlaga (Polnisches Institut Berlin)


Foto aus der Serie "Stocznia/Shipyard" von Michał Szlaga

Ausstellung / Exhibition: „Stocznia/Shipyard – Documents of Loss“

Ausstellung im Polnischen Institut Berlin (unter der künstlerischen Leitung von Katarzyna Wielga-Skolimowska) mit Arbeiten von Michał Szlaga, 3. Oktober – 21. November 2014, im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie in Berlin / Exhibition at the Polish Institute Berlin with works by Michał Szlaga, October 3 – November 21 2014, in the framework of the European Month of Photography in Berlin, Kuratorin / Curator: Sabine Weier

(English version below)

1980 formierte sich in der Danziger Werft mit der Gewerkschaft Solidarność die Keimzelle der polnischen Demokratiebewegung. Sie sollte entscheidend zum Fall des Ostblocks beitragen. In den vergangenen Jahren mussten viele der historischen Werftgebäude den Kulissen des neuen postkommunistischen Ostens weichen, gerade wird dort ein Luxuseinkaufszentrum gebaut. Vor 14 Jahren begann Michał Szlaga, die Transformation des bedeutenden Ortes zu dokumentieren. Da war er 22 Jahre alt und wohnte in einer Künstlerkommune auf dem Gelände. Er fotografierte Gebäude vor und nach dem Abriss, nahm verfallende Interieurs auf und porträtierte einige Arbeiter. Aus dem Projekt wurde ein umfangreiches Bildarchiv und fotografisches Monument. Szlaga ist damit zu einem der wichtigsten polnischen Dokumentarfotografen der Gegenwart avanciert. Vor Kurzem machte er sich mit der Kamera bis ins indische Alang auf, wo die in der Danziger Werft gebauten Schiffe demontiert und verwertet werden. Die Ausstellung zeigt 35 Fotografien, eine Projektion mit 24 Dias und einen Film über Szlagas Reise nach Alang.

ENGLISH

The Gdańsk Shipyard was the birthplace of the Solidarność labour union. Founded in 1980, it would give rise to the democratic movement in Poland and contribute to the fall of the Eastern Bloc. Since then, many of the shipyard’s historic buildings have given way to the mise-en-scène of a new, post-communist East; currently, a luxury shopping centre is being built there. Michał Szlaga began documenting the gradual transformation of this significant site fourteen years ago. He was 22 years old at the time and lived in an artists’ community on the premises. He photographed buildings before and after their demolition and portrayed decayed interiors as well as some of the workers. Szlaga’s project has grown into an extensive archive and photographic monument, making him one of the most important Polish documentary photographers of his generation. Recently, Szlaga travelled with his camera to the Indian city of Alang, where ships once built in Gdańsk are now being dismantled. The exhibition features 35 photographs, a projection with 24 slides, and a film about Szlaga’s journey to Alang.


Michał Szlaga, ohne Titel, aus der Serie „Stocznia“, 2000-2014

Ausstellung / Exhibition: „Strajk“

Recherche- und Ausstellungsprojekt im Auftrag des Polnischen Instituts Berlin (unter der künstlerischen Leitung von Katarzyna Wielga-Skolimowska), 29. August bis zum 26. September 2014. Mit Fotografien aus dem Archiv des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig. Format: Ausstellung im Zeitungsformat zum Mitnehmen, mit Essays, Interviews und rund 60 zum Teil noch nie veröffentlichten Fotografien aus den Jahren 1970 bis 1988, sowie einem mit Bildern aus dem Archiv entstandenem Montage-Film („Decembers – Narrating History“, 2012) der Künstlerin Maj Hasagar, der über QR-Code in der Zeitung präsentiert wurde. Erhältlich war die Zeitungsausstellung in der Galerie des Polnischen Instituts in Berlin und darüber hinaus in verschiedenen Museen, darunter Museum Folkwang Essen, Museum für Photographie Braunschweig, Museum für Fotografie Berlin, Fotomuseum Winterthur, Fotografie Forum Frankfurt, Zephyr Raum für Fotografie Mannheim.

(English version below)

Vor 25 Jahren führten die friedlichen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa zum Fall des Ostblocks. Ein wichtiges Ereignis auf dem Weg zur Freiheit waren die Solidarność-Proteste in Polen ab 1980. Aus den Streiks rund um die von Lech Wałęsa geführte Gewerkschaft entwickelte sich eine der größten Freiheitsbewegungen des 20. Jahrhunderts. Unzählige Profifotografen und Amateure waren mit ihren Kameras dabei und lieferten ikonische Bilder der Proteste, die schließlich zur politischen Wende in Polen führten. Viele Fotografien entstanden aber auch abseits der historischen Ereignisse in Danzig, etwa in den Universitäten, wo sich Studierende mit den Arbeitern solidarisierten. Mit der Auswahl künstlerischer Arbeiten und Amateuraufnahmen aus dem Fotoarchiv des Europäischen Solidarność-Zentrums erinnert die Ausstellung an diese weitgehend vergessene Zeit. Die Reproduktion der Fotografien im Zeitungsformat ist eine Aktualisierung des Bildgedächtnisses, ein Upload aus der Vergangenheit, der kommunikatives Potenzial freisetzt. In Form einer Zeitungsausstellung zum Mitnehmen werden die Fotografien wieder objekthaft in die soziale Zirkulation eingeführt. Auch heute sind Archive in der Regel nicht öffentlich. Gatekeeper wie Kuratoren und Archiv-Mitarbeiter bestimmen, welche Dokumente in Umlauf kommen. Ins kollektive Bildgedächtnis schaffen es Fotografien, die immer wieder verwendet und reproduziert werden, nicht selten, um vorgefertigte Narrativen zu bebildern. Wissenschaftler, Kuratoren und Künstler nutzen Archivmaterialien aber auch für Entwürfe alternativer Erinnerungskulturen und um etablierte Diskurse zu kritisieren. Im Zuge der Digitalisierung hat die Aufarbeitung in postkommunistischen Gesellschaften neue Geschwindigkeit aufgenommen. Archive werden zugänglicher, Dokumente können einfacher und schneller verbreitet werden. Damit hat sich auch die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Archivs und dem Umgang mit Archiven intensiviert. 2011 erschien etwa das von dem polnischen Kunsthistoriker und Künstler Krzysztof Pijarski herausgegebene Buch „The Archive as Project / Archiwum jako projekt“, in dem Wissenschaftler und Künstler das Verhältnis von fotografischen Archiven und kollektivem Gedächtnis in osteuropäischen Gesellschaften vor dem Hintergrund der digitalisierten Gegenwart diskutieren.

Kuratorin: Sabine Weier / Gestaltung: Amanda Haas.

ENGLISH

On behalf of the Polish Institute Berlin, I travelled to Gdańsk (Poland) in summer 2014 to do research in the photographic archive of the European Solidarity Centre and curated an exhibition that took the form of a newspaper. The copies were available in the European Solidarity Centre (ECS) in Gdańsk, the gallery of the Polish Institute in Berlin and in various museums in Germany and Switzerland. A second part of the project is presented as an online exhibition on the pages of the Google Cultural Institute. Seldom was a revolution documented so fervently as Solidarity. Taken mainly in the eighties, the proofs and negatives made a difficult journey abroad or were hidden from the communist security services in churches or private homes in Poland, although some of them ended up in their archives. Others gathered dust in boxes, drawers or photo-albums, and later, through sales or donations, arrived at the photo-archive of the Polish Solidarity Centre (ECS) in Gdańsk. Here and there, scratches and stains attest to the history of the pictures. Some now appear in books and exhibitions. In the form of a take-away newspaper, the photographs as physical objects can be reintroduced into social circulation.Their reproduction is an updating of collective visual memory, an upload from the past which releases communicative potential, provokes discussion, and revives forgotten histories. In the form of a take-away newspaper exhibition, the photographs as physical objects can be reintroduced into social circulation. Even today access to archives is usually limited; gatekeepers like curators and archivists decide which documents come into circulation. Photographs which become part of collective visual memory, are those constantly shown and reproduced, often for the sake of illustrating ready-made narratives. Beyond this, academics, curators and artists use them as blue-prints for a possible culture of remembrance, or to critique established discourses. With digitalization, a new speed has come to the process of regeneration in post-communist societies. Archives are becoming ever more accessible, and sharing documents is increasingly quick and easy. With this, discourse about the concept of the archive, and the use of archives, has intensified. In 2011 the book “The Archive as Project / Archiwum jako projekt”, was published by the Polish art-critic and artist, Krzysztof Pijarski. In it, academics and artists discuss the relationship between photographic archives and collective memory against the backdrop of digitalization in Eastern European Societies.

The newspaper was distributed in the following institutions: Museum Folkwang Essen, Museum für Photographie Braunschweig, Museum für Fotografie Berlin, Fotomuseum Winterthur, Fotografie Forum Frankfurt, Zephyr Raum für Fotografie Mannheim

Residency: Sasso

During may 2014 the two designers Lora Sommer and Amanda Haas invited several collaborators to form Laboratorio Sasso as a temporary research studio at the Sasso Residency.

Among other projects, the group consisting of artists, textile, fashion and graphic designers, architects, and writers created a blog as a documentary and research tool. Inspired by the place and the landscape surrounding it, the collective’s aim was to develop a comprehension of a wide range of commonly known (construction) materials. Laboratorio Sasso stressed the importance of accepting failure as part of the process. Misusage and uncommon combinations were main strategies in creating new designs, objects, and prototypes.

Participants:
Tonia Geissbühler
Anna Rigamonti
Giacomo Santiago Rogado
Laura Stocker
Sabine Weier

 

Übersetzung und Blog / Translation and Blog: Transmediale 2013, 2014, 2016

Die Transmediale ist ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Festival für Medienkunst und digitale Kultur. Redaktion Blog (in Kooperation mit dem Medienpartner der Freitag) und Übersetzung der kuratorischen Texte 2013 / „BWPWAP (Back when Pluto was a Planet)“, Übersetzung der kuratorischen Texte 2014 / „Afterglow“ und 2016 / „conversationpiece“.

(English version below)

Zum Programm des Festivals gehören Ausstellungen, Live-Performances, ein Symposium mit Panel-Diskussionen und Vorträgen, ein Film- und Videoprogramm, Workshops sowie Projekte, die das ganze Jahr über mit Medienkünstlern und Aktivisten entwickelt werden. Anliegen ist die kritische Auseinandersetzung mit den durch Medientechnologien bedingten gesellschaftlichen Veränderungen und deren Manifestationen in künstlerischen, wissenschaftlichen und subkulturellen Diskursen.

Blog-Beiträge

transmediale is a Berlin-based festival and year-round project that draws out new connections between art, culture and technology. The activities of transmediale aim at fostering a critical understanding of contemporary culture and politics as saturated by media technologies. In the course of its 25 year history, the annual transmediale festival has turned into an essential event in the calendar of media art professionals, artists, activists and students from all over the world. The broad cultural appeal of the festival is recognised by the German federal government who supports the transmediale through its programme for beacons of contemporary culture. Translation English > German for the festival editions  2013, 2014, 2016. Blog 2013.

Blog: Schirn Kunsthalle

Redaktion, Text und Fotografie zur Begleitung der Ausstellungen der Schirn Kunsthalle (Philip-Lorca diCorcia, Roni Horn, Privat, Yoko Ono, Edvard Munch, Geheimgesellschaften, German Pop, u.a.) von 2010 bis 2015 im Schirn Mag, dem Online-Magazin der Frankfurter Institution. Konzeption der Präsentation digitaler Kunst auf der Webplattform der Schirn Kunsthalle mit Arbeiten von Britta Thie und Constant Dullaart.

Hin und wieder waren die Beiträge des Magazins direkt mit den Ausstellungen verknüpft, etwa über in Räumen und neben Kunstwerken angebrachten QR-Codes. Besucher konnten sie mit dem Smartphone scannen und so Analysen, Essays, Interviews, Studiobesuche und Porträts abrufen. Darüber hinaus fungierte das Magazin als erweiterter Ausstellungsraum. Für die Gruppenschau „Privat“ etwa entwickelte das mit bei YouTube gefundenem Material arbeitende Künstlerkollektiv Leo Gabin Werke, die ausschließlich im Schirn Mag präsentiert wurden.

 


Aus einer Fotostrecke zur Art Berlin Contemporary 2011


Aus einer Fotostrecke zur Art Berlin Contemporary 2011


Porträt des US-amerikanischen Künstlers Dan Attoe


Aus einer Fotostrecke zur Gallery Weekend Berlin 2012 (Katharina Grosse)


Aus einer Fotostrecke zur Gallery Weekend Berlin 2012 (Katharina Grosse)


Aus einer Fotostrecke zur Gallery Weekend Berlin 2012 (Dominique Gonzalez-Foerster)


Aus einer Fotostrecke zur Gallery Weekend Berlin 2012 (Dominique Gonzalez-Foerster)

Kunstkritik / Blog: Tanz im August 2012

Redaktion, Text und Fotografie für Tanz im August, Deutschlands größtes Festival für zeitgenössischen Tanz und Performance. Blog-Projekt in Kooperation mit dem Tagesspiegel, das unter Einbeziehung internationaler Tanz- und Performance-Kritiker auch die Möglichkeiten digitaler Kunstkritik reflektierte.

Zur siebenköpfigen Redaktion gehörten mehrere Nachwuchs-KritikerInnen und ein Fotograf. Mein Schwerpunkt lag auf interdisziplinären Projekten, die zwischen Tanz, Performance, bildender Kunst, Installation und Medienkunst changieren. Für den Blog porträtierte ich unter anderem die Judson Dance Theatre-Protagonistin Deborah Hay oder Ishmael Housten-Jones, aber auch Nachwuchs-ChoreographInnen, wie Ligia Manuela Lewis. Die Textformate reichten von klassischen Kritiken bis hin zur Reportage nach der Teilnahme an einer Performance von Ehud Darash im öffentlichen Raum.

Texte


Deborah Hay, fotografiert für Tanz im August